Abschied und Wiedersehen

Wir stehen zeitig auf, um uns auf jeden Fall gebührend von Jupp verabschieden zu können. Der Tag beginnt noch trauriger als gedacht. Wir haben keinen Strom an Bord und können nicht mal einen Kaffee kochen. Doch ein Rundumblick am Steg zeigt uns schnell, dass wir nicht die einzigen sind. Die ganze Marina ist ohne Strom.

So begeben wir uns gleich zu Jupp und helfen ihm, sein Boot, die Walkabout, klar zum Ablegen zu machen. Der Abschied fällt kurz, aber sehr herzlich aus. Seine Reise soll durch den Kanal von Korinth nach Thesaloniki und zu den Klöstern auf Athos führen. Wir hoffen, dass wir uns bald irgendwo wieder treffen werden. Fair Winds and following Seas, Jupp!

Als wir dann am späten Vormittag zu unserer THO zurückkehren, funktioniert der Strom wieder und wir holen das Kaffee trinken nach. Während wir so im Cockpit in der Sonne sitzen, tuckert ein deutsches Boot in die Marina und steuert den Liegeplatz direkt neben uns an. Wir sind beim Anlegen behilflich und reichen Arbeitshandschuhe für die Muringleinen herüber. Ohne solche Handschuhe sollte man in Messolonghi keine Leine anfassen. Diese sind so stark mit scharfkantingen Muscheln bewachsen, dass man sich dabei nur die Hände zerschneidet.

Beim Erzählen nach dem Anlegen erfahren wir, dass die beiden, Evi und Wolfgang, gerade von Korfu kommen und auf dem Weg in die Türkei sind. Wir bieten ihnen an, sie mit dem Wagen zum Einkaufen mitzunehmen. Der Weg zum Supermarkt ist weit und so hätten sie Gelegenheit, ordentlich zu bunkern, zumal Ostern vor der Tür steht. Sie freuen sich so über unser Angebot, dass sie uns gleich für den nächsten Tag zum Essen einladen.

Nach dem Einkaufen wollen wir unsere neue Bekanntschaft noch bei einem Bierchen vertiefen, da läuft uns Rolf über den Weg. Ihn kennen wir noch von unserem allerersten Besuch in Messolonghi, als wir noch keine Bootseigner waren. An Land waren die THO und seine „Schnorki“ sozusagen Nachbarn. Er ist gerade erst mit dem Wohnmobil angekommen und es gibt ein großes Hallo. Leider ist seine Frau nicht dabei, sie musste vorerst krankheitsbedingt zu Hause bleiben. Doch sie kann hoffentlich bald nachkommen. Gut, dass wir für den Abend nur kalte Küche geplant haben, denn unser kurzes Bierchen im Café dauert den ganzen Abend.

Abschiedsessen

Draußen ist es richtig ungemütlich. Der angekündigte Starkwind ist da. Es bläst ordentlich und das Boot zerrt kräftig an den Festmachern. Bald fängt es auch noch an zu regnen. Somit ist „Heimarbeit“ angesagt. Wir wollen etwas Holzpflege betreiben, ein paar kleinere Roststellen behandeln und die ein oder andere verlustig gegangene Schraube ersetzen.

Zwischendurch blättern wir unsere Notizen zum Boot und zum Stauplan durch. Eigentlich sind wir auf der Suche nach der im Cockpit verwendeten Farbe, doch dazu sind die Notizen mehr als spärlich. Stattdessen finden wir in der Liste für die Achterkoje den Hinweis auf einen Drahtvorläufer. Sollte das etwa genau jener sein, der für das Setzen des Segels an unserem fliegenden Kutterstag gedacht ist? Wir schauen in der Achterkoje nach und finden tatsächlich genau diesen Drahrvorläufer. Bei nächster Gelegenheit können wir also das Anschlagen der kleinen Fock nochmal ausprobieren.

Glücklich mit unserem Fund machen wir uns nun an die geplante Holzpflege. Zudem montieren wir zwei Rauchmelder, einen in Nähe der  Pantry und einen in der Achterkoje. Beide in der Nähe des Motors.

Dann machen wir uns ans Kochen. Es soll ein Abschiedsessen für Jupp werden, der nun morgen seinen Törn beginnen will. Es gibt Bauchfleisch und eine Gemüsepfanne aus Auberginen, Paprika, Tomaten und Möhren. Endlich können wir auch mal unsere extra aus Deutschland mitgebrachte thailändische Fischsauce zum Einsatz bringen, die jedem Gericht nochmal ein Krönchen aufsetzt.

Jupp ist auch wirklich begeistert von der Gemüsepfanne und will gleich wissen, wie wir sie zubereitet haben. Wir weihen ihn in das Geheimnis der Fischsauce ein.

Den Rest des Abends verbringen wir mit  Karten spielen, genauer: Skip Bo, und wir stellen erneut fest, dass wir dieses Spiel unbedingt auch bei uns an Bord brauchen – bisher hat es Jupp immer mitgebracht.

Zum Abschied werden wir von Jupp noch reich beschenkt. Neben einem hiesigen Schnaps und Meersalz aus Messolonghi, überlässt uns Jupp sein 12 V-Verlängerungskabel, damit wir unser Dinghi auch am Steg mit der elektrischen Pumpe aufpumpen können. Ob er weiß, welch großen Gefallen er uns damit getan hat? Wir sind jedenfalls total gerührt.

Frech wie Oskar

Nach einem gemütlichen Kaffee wollen wir uns heute unsere Stopfbuchse vornehmen, nachdem diese zwischenzeitlich doch arg tropft. Zuerst einmal sprühen wir die Muttern und Kontermuttern kräftig mit WD 40 ein, dann wollen wir diese etwas nachziehen. Mal sehen, ob sich dadurch das Tropfen in die Bilge verringert. Doch beim Nachziehen tut sich gar nichts. Alle Muttern sitzen bombenfest und lassen sich nicht das geringste Stückchen bewegen. Also greifen wir erneut zu WD 40 und lassen es dieses Mal etwas länger einwirken.

In der Zwischenzeit versuchen wir, über Funk einen Wetterbericht von Patras zu empfangen. Das Ergebnis unseres Versuches ist nicht gerade berauschend. Windrichtung und Stärke lassen sich gerade noch verstehen, doch die Bezugspunkte sind vollkommen unverständlich.

Nach dem Wetterbericht widmen wir unsere Aufmerksamkeit wieder der Stopfbuchse. Dieses Mal schaffen wir es, die Muttern alle um eine halbe Drehung nachzuziehen. Tatsächlich tropft es nun deutlich weniger bis gar nicht mehr. Die Bilge müsste nun also auch trocken bleiben.

Als wir gerade so in der Bilge unserer Achterkoje beschäftigt sind, kommt ein Marinero mit zwei Holländern im Schlepptau vorbei. Die beiden wollen unbedingt unseren Liegeplatz haben. Angeblich haben sie genau für diesen Platz einen Dreijahresvertrag. Außerdem sei der Platz sowieso nur für Katamarane. Uns ist das neu und einen festen Liegeplatz haben wir in unserem Vertrag auch nicht. Wie sie den Marinero haben beschwatzen können, ist uns ein Rätsel. Wir lassen uns also nicht beirren. In den nächsten Tagen haben wir jedenfalls nicht vor, den Platz zu verlassen. Zudem können wir ihnen verständlich machen, dass auch wir einen Platz zum längsseits Anlegen brauchen. Am Heck ist unsere Windsteueranlage im Weg und am Bug das Vorsegel. Ohne weiter Stress zu entfalten, lassen uns die Holländer nun in Ruhe und verzichten auf „ihren“ Platz. Wir sind uns ziemlich sicher, dass sie nur den Wetterbericht für die kommenden Tage gehört haben und es für den angekündigten Starkwind etwas ruhiger liegen wollten. Denn sonst ist kein Unterschied von ihrem Liegeplatz zu unserem ersichtlich. Man kann es ja mal versuchen.