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Auf nach Bonifacio

Um 5.30 Uhr (local time) klingelt unser Wecker. Wir werfen einen Blick nach draußen. Es ist recht bewölkt und windig. Deshalb warten wir noch eine halbe Stunde. Das Wetter scheint besser zu werden und die Wellen außerhalb der Bucht sehen human aus. Kurz nach 6.00 Uhr heißt es Anker auf und ab nach Bonifacio. Wir sind die ersten, die die Bucht verlassen, auf allen anderen Schiffen ist es noch dunkel und ruhig. Bärbel und Michael von der SY Beluga wären stolz auf uns, sie haben uns durchaus auch schon als Langschläfer erleben dürfen.

Außerhalb der Bucht erwartet uns leider wieder nicht der versprochene Westwind, doch wenigstens ist das Wetter nicht mehr so ruppig und die See etwas ruhiger.

Wir wählen die große Route durch die Straße von Bonifacio. Zwar müssen wir nun ein paar Inseln umrunden, doch zwischen den Inseln in der sogenannten „Passage de la Piantarella“ würden uns einige Unterwasserfelsen und Untiefen erwarten, die schlecht zu erkennen sein sollen.

Denkmal in der Straße von Bonifacio
Fregattendenkmal La Semillante
CC BY-NC-SA 4.0 Ulrike & Stefan Engeln

Mitten in der Straße von Bonifacio kommen wir an einem Denkmal vorüber, dass eine Stelle markiert, an der 1854 die Fregatte „La Semillante“ gesunken ist. Die korsische Küste begeistert uns mit ihren zerklüfteten Felsen und dem Blick auf den Leuchtturm von Pertusato kurz vor Bonifacio. Auch Bonifacio selbst ragt bereits auf den Felsen vor uns auf.

Kap Pertusato
Leuchtturm am Kap Pertusato
CC BY-NC-SA 4.0 Ulrike & Stefan Engeln
Blick auf Bonifacio
Bonifacio von See aus
CC BY-NC-SA 4.0 Ulrike & Stefan Engeln

Der Wind ist zumindest schwach, wenn auch nicht aus Nord und wir kommen gut durch die Straße von Bonifacio. Als wir uns dann der Hafeneinfahrt nähern, die durch eine Art Fjord führt, stecken wir allerdings regelrecht in der Rush Hour. Wir haben Gegenverkehr wie noch nie auf unserer Reise. Doch alle Schiffe, die den Hafen verlassen, machen schließlich auch ein Plätzchen im Hafen frei.

Fjord nach Bonifacio
Einfahrt nach Bonifacio
CC BY-NC-SA 4.0 Ulrike & Stefan Engeln

Wir kündigen uns über Funk an, um einen Liegeplatz zugewiesen zu kommen, doch scheint das im Hafen niemanden zu interessieren. Es frischt gerade auf und so suchen wir uns einfach selbst ein angenehmes Plätzchen. Nachdem wir gut zu liegen gekommen sind, wird es immer windiger und wir können beobachten, wie die Marineros nun doch dem ein oder anderen Boot beim Anlegen „zu Hilfe“ kommen. Sie zeigen teils nur auf einen Platz und brausen dann wieder davon, lassen die Schiffe mit statt gegen den Wind anlegen und wenn das Anlegemanöver missglückt, dann boxen sie das Boot, während es versucht zu korrigieren, auch noch gegen die Nachbarboote, statt sie mit ihrem Dinghi abzuhalten. Wir sind heilfroh, dass sie unseren Ruf um eine Platzzuweisung ignoriert haben. Das war ganz sicher besser für uns.

Nun können wir den Blick auf die Festungsanlage und den kleinen Hafen von Bonifacio genießen. Wirklich ein lohnenswerter Anblick. Wir werden hier den ein oder anderen Tag bleiben und den auf dem Felsen gelegenen Ort erkunden.

Festung von Bonifacio
Festung über dem Hafen von Bonifacio
CC BY-NC-SA 4.0 Ulrike & Stefan Engeln

Hacksee

Nachdem wir uns in Solenzara ein bisschen von der Überfahrt nach Korsika erholt haben, ziehen wir weiter in Richtung Bonifacio. Doch bevor wir zu dieser charakteristischen Stadt kommen, wollen wir noch einen Stop in einer Ankerbucht einlegen.

Die Bucht von Rondinara liegt südlich von Porto Vecchio, soll gut geschützt sein und die von dort verbleibende Strecke nach Bonifacio verkürzt sich auf 16 Seemeilen. Doch den Weg dorthin müssen wir uns wieder erkämpfen. Statt vorhergesagtem Westwind erwartet uns ein Südwest und der Schwachwind entpuppt sich erneut als alles andere als schwach. Die See ist aufgewühlt und schüttelt uns gut durch. Wir halten uns recht dicht unter Land, dort ist es etwas ruhiger und wir haben zumindest einen guten Blick auf die schöne Küste Korsikas.

Rote Felsen auf Korsika
Korsische Küste
CC BY-NC-SA 4.0 Ulrike & Stefan Engeln

Aber wir kommen nur langsam voran, die Welle bremst unsere Geschwindigkeit immer wieder herunter und deshalb gehören wir zu den letzten, die in die Ankerbucht von Rondinara einlaufen.

Ankerbucht Rondinara Korsika
Bucht von Rondinara
CC BY-NC-SA 4.0 Ulrike & Stefan Engeln

Der Wind hat nochmals aufgefrischt und so wird es nochmal ein wenig anspruchsvoll, sich ein sicheres Plätzchen für den Anker zu suchen. Erst klemmt die Ankerwinsch und nötigt uns dazu, unser Ankermanöver gleich zweimal zu fahren, doch dann liegen wir schön in einer malerischen Bucht und werden mit einem kitschigen Sonnenuntergang belohnt. Dazu gönnen wir uns einen leckeren Sundowner im Cockpit, den wir uns nun wirklich verdient haben.

Sonnenuntergang in der Ankerbucht
Sonnenuntergang in der Bucht von Rondinara
CC BY-NC-SA 4.0 Ulrike & Stefan Engeln

Bei Kalter Küche aus Fisch, Oliven und Tomaten planen wir für morgen die Passage nach Bonifacio. Die Wettervorhersage kündigt für den nächsten Morgen wieder Westwind an, der uns gut bis zur Straße von Bonifacio bringen soll. Gegen Mittag soll der Wind dann auf Nord drehen. Das wäre für die Straße von Bonifacio ideal. Wir wollen zeitig aufstehen, um früh in Bonifacio einlaufen zu können, denn am Nachmittag soll der Wind erneut tüchtig auffrischen. Wir sind gespannt, ob die Wettervorhersage diesmal stimmt.

Wolkenbeobachtung auf Korsika
Faszinierende Wolke
CC BY-NC-SA 4.0 Ulrike & Stefan Engeln
Sonnenaufgang in der Ankerbucht
Sonnenaufgang in der Bucht von Rondinara
CC BY-NC-SA 4.0 Ulrike & Stefan Engeln