Schwenkkiel

Wir wollen das schöne Wetter nutzen, um endlich unser verschlissenes Spifall gegen ein neues auszutauschen. Das einfachste ist, hierzu das alte Fall mit dem neuen zu vernähen. Dann kann man, indem man das alte Fall unten aus dem Mast zieht, gleichzeitig das neue hinein ziehen. Doch leichter gesagt als getan. In der Beschreibung sieht das Vernähen des alten und des neuen Falls total simpel aus, anders aber die Praxis. Die beiden Leinen dürfen sich nicht überlappen, weil diese so entstehende dicke Stelle nicht durch den Mast passen würde. Trotzdem muss die Verbindung fest sein, damit sie das Gewicht der zweiten Leine trägt und sich zudem unterwegs nicht löst.

Nach einigen Versuchen ist das Ergebnis zwar nicht schön, doch immerhin so, dass wir damit unser Glück versuchen wollen. Sollte die Verbindung nicht halten, muss einer in dem Mast steigen und nachhelfen, bzw. das neue Fall von oben aus einfädeln. Langsam und vorsichtig ziehen wir also das alte Fall aus dem Mast und damit zugleich das neue Fall erst nach oben und dann in den Mast hinein. Wir achten sorgfältig darauf, dass die Leinen sauber laufen und sich nirgends verfangen. Unser Versuch glückt und wir halten bald das neue Fall am Mastende in der Hand. Allerdings müssen wir auch feststellen, dass die Verbindungsstelle zwischen den Leinen durchaus mitgenommen aussieht. Hätten wir kräftiger gezogen, so wäre die vernähte Stelle bestimmt gerissen. Doch so können wir wieder einmal einen Punkt von unserer Liste streichen.

Der Tag ist noch jung und wir suchen uns ein weiteres Projekt. Seit geraumer Zeit lässt sich unser Schwenkkiel nicht mehr weiter absenken. Vermutlich ist dieser mit Muscheln und Seepocken bewachsen, die die Kielmechanik blockieren.

Unsere Idee für eine Lösung ist simpel. Wir wollen vom Heck aus eine Leine unter dem Rumpf durchführen, bis diese am Kiel hängen bleibt. Schließlich ist dieser noch ein Stück draußen und müsste Widerstand bieten. Über die Leine wollen wir dann so lange Druck ausüben, bis der Kiel wieder lose ist. Schließlich kämpfen wir vermutlich nur gegen ein paar Muscheln.

Doch bereits als die Leine am Kiel sitzt, kommen uns ernste Zweifel an der Genialität unseres Plans. Schon jetzt stehen wir mit den beiden Leinenenden nicht gleichauf. Wenn wir jetzt auch noch ungleichmäßig Druck auf den Kiel ausüben, könnte sich dieser zu allem Überfluss auch noch verkanten.

Wir blasen die Aktion kurzerhand ab und schauen stattdessen lieber in den Bauplänen nach einer Art Revisionsluk, jedoch mit wenig Erfolg. Bevor wir jetzt unsere Inneneinrichtung auseinander nehmen, schreiben wir lieber eine Mail an Timm. Bei seiner Antwort erfahren wir, dass wir recht getan haben nichts aufzuschrauben. Das Revisionsluk befindet sich nur knapp oberhalb der Wasserlinie und bei Wellengang hat man sofort Wasser im Schiff. Eine Gelegenheit, den Schwenkkiel wieder flott zu machen, kommt bestimmt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.